27.07.2012
Wirtschaft
Berlin/New York - Die Spekulationen um den Universal/EMI-Merger gehen weiter: Nun heißt es, BMG sei an Parlophone interessiert und ein Verkauf des Labels würde die EU-Regulatoren zufrieden stimmen. So sollen Virgin Records und EMI Classics damit von Tisch sein.
Zum Parlophone-Roster gehören unter anderem Musikgrößen wie die Beatles, Kylie Minogue, Coldplay und Blur – dass Universal auch den Katalog der Beatles abgibt, ist jedoch unwahrscheinlich. Wie "Billboard" erfahren haben soll, sind über 20 Bieter an Universal Music herangetreten, um Vorschläge für die zu abspaltenden Labels zu machen. Dazu sollen sich ein Dutzend Indie-Labels, diverse Venture-Capital-Unternehmen und Sony Music gehören – nicht jedoch Warner Music. Edgar Bronfman Jr. (Vorstandsvorsitzender der Warner Music Group, ehemaliger CEO), hat sich zuvor bereits mehrfach ausdrücklich gegen den Universal/Merger ausgesprochen.
Vergangene Woche überraschte Naive-Chef und IMPALA-Co-President Patrick Zelnik mit seiner plötzlichen Befürwortung des Universal/EMI-Deals. Kurz darauf wurde klar, dass Zelnik erneut hofft, Virgin erwerben zu können – mittlerweile das dritte Mal. Allerdings versichert Zelnik, den Universal/EMI-Merger nicht aus eigennützigen Gründen, sondern für das Wohl der Branche zu unterstützen. Bei seinem Vorhaben erhält Zelnik von Sir Richard Branson, Gründer von Virgin Records, Rückendeckung, der wieder ins Musikgeschäft einsteigen will. Nach Zelnik folgten auch Kenny Gates von PIAS und Daniel Miller von Mute Records und bekundeten an den potenziell zum Verkauf stehenden Labels Interesse. Mittlerweile hat auch Domino-Chef Laurence Bell die Seiten gewechselt.
Um die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Regulatoren aus dem Weg zu räumen, hat Universal bereits vorgeschlagen, Anlagen im Wert vn 200 bis 300 Millionen US-Dollar abzustoßen, bislang war unter anderem war von Virgin Records, Chrysalis UK, EMI Classics, Virgin Classics, Mute, Jazzland, Sanctuary und Ensign die Rede. Um IMPALA auf seine Seite zu ziehen, hat Universal Music dem Indie-Verband zudem ein Erstbieterrecht und Finanzierungshilfen angeboten.
Wie "Billboard" berichtet hat Universal Music der Europäischen Kommission sein finales Angebot noch nicht überreicht. Der 18. Juli soll auch nur eine informelle Deadline dafür gewesen sein – nun heißt es, der 1. August sei die formale Deadline für das finale Angebot. Angeblich hat sich durch diese Verzögerung auch die Deadline für die Europäische Kommission nach hinten verschoben haben: So schreibt "Billboard", dass die Kommission ihre Entscheidung nunmehr nicht mehr bis zum 6. September, sondern 15 bis 21 Tage später fällen dürfe.